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Reiseberichte + Tipps von Wolfgang
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Zuerst Charley, dann Frances und jetzt Jeanne Print E-mail
Written by Michael   
Zum Glück verschonte uns Ivan. Das Erlebnis einer Hurricane Saison in Florida, die noch nicht vorbei ist.

Den ersten Hurricane, der Central Florida seit 34 Jahren überfallen hat, habe ich bereits in meinem Artikel " Wir haben Charley überlebt" beschrieben. Charley hat uns am 13.August heimgesucht. Dann war Frances dran, drei Tage bevor er über uns hinwegziehen sollte, sind Hannelore und ich nach New Orleans geflüchtet, soweit wie möglich von dem blöden Ding weg.

In New Orleans konnten wir endlich einen Power-Generator (Notstrom-Aggregat) kaufen, so hat sich der Trip gelohnt. Einen Tag bevor Ivan sich auf die Küste von Mississippi stürzte, fuhren wir in einem Rutsch heim, 1200 km, ohne Probleme.

Jetzt hatten wir ein paar Tage Ruhe und konnten die marginalen Schäden von Frances reparieren. Aber kurze Zeit später - waren es Tage oder Wochen? - stand plötzlich Jeanne in den Headlines. Dieser seltsamer Sturm richtete zuerst verheerende Schäden auf Haiti an, es soll an die 1.500 Tote durch Jeanne dort gegeben haben, dann machte er einen 360-Grad-Schlenker über die Bahamas, bevor er sich auf Florida einstimmte.

Der ursprünglich von den Medien und anderen Quellen vorhergesagte Pfad von Jeanne sollte direkt über uns gehen. Das war natürlich echt problematisch für uns. Wir waren noch von Charley traumatisiert, hatten zum Glück keine Schäden von Frances, und jetzt stand Jeanne vor der Tür.

Am Samstag, dem 25.9. war unsere letzte Chance vor Jeanne  zu flüchten. Nach den Berichten in Fernsehen und im Internet fühlte ich mich kotzübel. Ich wollte nur noch weg, nicht noch mal einen Hurricane aussitzen.

Hannelore und ich setzen uns zusammen und besprachen unsere Möglichkeiten. Das letzte Mal, als wir vor Frances geflüchtet sind, fühlte ich mich schlecht, weil ich nichts tun konnte. Diesmal hatten wir den Generator, konnten zumindest den Kühlschrank betreiben und einige Glühlampen, und die Nachrichten im Fernsehen verfolgen, waren also nicht mehr so hilflos wie nach Charley.

So entschlossen wir uns, auch mit dem Rat unserer Schutzengel, den Sturm auszusitzen. Das war absolut die richtige Entscheidung!

In der Nacht von Samstag, dem 25.9 auf Sonntag, den 26.6 fing Jeanne an uns zu ärgern. Winde und Böen aus Nordost wurden immer stärker und stärker, lauter und lauter; ab Mitternacht war es nicht mehr möglich an Schlaf zu denken, der Sturm war zu laut.

 

Wir saßen im Wohnzimmer, schauten TV-Nachrichten und hörten das Gebrüll der Böen, das die ganze Nacht anhielt. Um 4 Uhr morgens am Sonntag fiel der Strom aus. Jetzt waren wir auf Kerzen und Batterie-Lampen angewiesen. Da unsere Wohn-Anlage ihr eigenes Trinkwasser aufbereitet, war das mit dem Stromausfall auch gleich abgestellt.

An Schlafen war nicht zu denken, mit dem ganzen Lärm des Sturms und der Angst, dass etwas an unserem Haus beschädigt würde. Auch jetzt hatten wir ein Gefühl der totalen Hilflosigkeit, den Naturgewalten absolut ausgeliefert zu sein.

Als endlich die Morgendämmerung Licht auf unser Anwesen brachte, konnte ich mitkriegen, dass Jeanne gerade dabei war unseren Carport zu zerstören. Ein Carport ist gewöhnlich eine Art offene Garage, die das Auto vor Regen schützt. Wir haben so ein Teil, das sich über die ganze Nordseite unseres Hauses erstreckt.

Als es hell wurde sah ich, dass mit jeder Bö der nordöstlichste Pfosten des Carports um einen Viertelmeter in die Höhe gehoben wurde. Und dann - Rumms - wieder runter knallte. Was tun? Ich ging raus, pudelnackt, bei 25°C, aber starkem Regen, der horizontal auf mich prasselte. Ich fand ein Tau in der Werkstatt (deren Außentür wurde mir fast aus den Händen gerissen) und konnte schließlich mit Hilfe eines stählernen Sonnenschirmfußes, den ich mit einigen Betonsteinen beschwerte, das Dach stabilisieren.

Jetzt war uns klar warum wir diesen Sturm hier aussitzen sollten. Wir konnten agieren. Klar, dass ich nach diesen Aktionen gefroren habe wie ein Schneider, denn ich musste noch mehrmals raus um die Taue nachzuspannen, aber ich habe geschafft, dass unser Carport noch steht.

Unseren Nachbarn gerade gegenüber ging es nicht so gut, ihnen hat es den ganzen Carport weggerissen und unserem Nachbarn auf der anderen Seite ging die verglaste Veranda zu Bruch und es regnete munter ins angrenzende Wohnzimmer.

Sonntag gegen Mittag, als der Hurricane immer noch tobte, aber nicht mehr ganz so laut - der Strom war aus, wir hatten kein Wasser, nur das Telefon war OK - kam uns die Idee: warum nicht in Deutschland anrufen bei unserem alten Freund Thomas Kleemann um ihn nach Details zu Windows XP Sicherheitsproblemen zu fragen. Hannelore lenkte das ganz gut von dem Sturm ab und sie redete mit Thomas eine ganze Weile über Windows XP und Gott und die Welt.

Göttin sei Dank, am Nachmittag wurde der Sturm schwächer und so konnte ich endlich unseren neu erworbenen Generator einsetzten. Schon als ich in New Orleans das Ding kaufte war klar, dass während einer Katastrophe die üblichen Sicherheitsregeln ungültig sind. So habe ich mir überlegt, nicht wie üblicherweise den Generator mit Verlängerungsleitungen an einzelne Verbraucher wie Kühlschrank oder Lampen anzuschließen, sondern ihn direkt in das Hausnetz einzuspeisen. Dazu hatte ich schon in New Orleans eine 12 Meter lange dreiadrige gummiarmierte Leitung erstanden, die für 30A zugelassen ist. Der Generator kam mit einem eigenen Stecker für 20A. Ein spezieller Stecker an unserem Wäschetrockner vervollständigte die Installation.

Ich musste natürlich sehr vorsichtig damit umgehen und wissen wie hier das Stromnetz funktioniert, aber das hatte ich schon vor einiger Zeit kapiert.

Zu allererst den Hauptschalter am Stromzähler ausschalten, dann die dicken Verbraucher wie Klimaanlage, Wasserboiler und Whirlpool abschalten. Da die Dauerleistung unseres Generators auf 5000 Watt begrenzt ist, musste ich genau rechnen welche Geräte in Betrieb bleiben konnten.

Nun der Trick: ich hatte mir das dicke Kabel montiert mit je einem Stecker an den Enden. Der eine steckte im Generator, der andere kam in die Steckdose des Trockners. Und das funktionierte prächtig, das ganze Haus hatte Strom.

Jetzt fehlte nur noch das Leitungswasser... aber dafür gibt es keinen "Generator". Nach Charley mussten wir eine ganze Woche auf Strom und 10 Tage auf Wasser warten. Nach Frances ging es schon schneller, aber diesmal war beides bereits am nächsten Nachmittag zurück!

Hat es sich für uns gelohnt, viel Geld für einen Generator auszugeben, um vom allgemeinen Stromnetz etwas unabhängiger zu sein? Auf jeden Fall, denn hier ist die Stromversorgung viel unzuverlässiger als in Deutschland.

Am Dienstag als der Cypress-Cove eigene Reparaturtrupp einen Teil der umgestürtzten Bäume weggeschafft hatte, fuhren wir durch die Anlage und sahen uns die neuen Schäden an und waren froh, daß wir auch diesmal aus dem Schneider waren.

Unser Eindruck ist, dass dieser, hoffentlich für eine Weile, letzte Sturm viel mehr Schäden anrichtete als seine beiden Vorgänger. Die Winde waren zwar weniger stark, aber weil der Hurricane eineinhalb Tage und ein Nacht dauerten (Charley war nur eine Stunde über uns), lockerte sich durch die wiederkehrenden Böen so manche Schraube, die Halterungen gaben allmählich nach und etliche Dächer usw. flogen durch die Luft.

Das gilt nicht nur für unsere Anlage, sondern für ganz Forida. So soll nach ersten Schätzungen Jeanne 6 Milliarden Dollar Kosten verursacht haben und alle vier Stürme zusammen 18 Milliarden, was einige Versicherungen in die Pleite treiben wird.

Die Hurricane Saison endet im November, also können wir uns noch auf Überraschungen einstellen. Wir haben alle beide herzlich genug von diesem extremen Stress, schlafen nicht mehr gut, sind ständig müde und appetitlos, ein klassischer Fall für eine Psychotherapie ;-)

Ich glaube, wenn vor 6 Jahren das Gleiche hier passiert wäre, hätten wir uns nicht entschieden hierher zu ziehen.