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Barbecue-Esskultur: Die Küche der Nomaden Print E-mail
Written by Michael   
BBQAlles was auf dem Barbecue = offener oder geschlossener (Outdoor-) Grill, zubereitet wird, entspricht dem Essverständnis der DurchschnittsamerikanerIn.

Als wir vor als 15 Jahren zum erste Mal in die USA kamen, waren wir begeistert von den Riesen-Hamburgern, den Steaks, den gegrillten Shrimps und Baked Potatos.

Mittlerweile haben wir festgestellt, dass die Vielfalt der amerikanischen Küche auf das beschränkt ist, was man im übertragenen Sinn auf einem Lagerfeuer garen kann.

Egal ob Rinder-Steaks - die großen Favoriten -, Kartoffeln, Maiskolben, Hamburger, Hot-Dogs, Hähnchenteile, alles was auf einem Grill zubereitet werden kann, füllt die Seiten der Sonderangebote der Supermarktketten. Nicht zu vergessen die enorme Auswahl an Barbecue- und Steak-Saucen.

Diese Lagerfeuermentalität geht noch weiter: So ist der amerikanische Kaffee für uns Europäer ziemlich ungenießbar, wir empfinden ihn als "Lorke". Ich glaube der Kaffee hier ist zu grob gemahlen und passt deshalb nicht in elektrische Kaffeemaschinen. Das Ergebnis ist wahrscheinlich besser, wenn die alte Zubereitungsmethode verwendet wird: Kaffeepulver in den Metallbecher geben, mit Wasser auffüllen und dann über dem Lagerfeuer zum Kochen bringen!

Übrigens haben wir hier sehr preisgünstigen Kaffee gefunden, der selbst Franzosen schmeckt. In Läden, die Hispanios versorgen, gibt es eine Vielfalt von preisgünstigen Kaffeesorten, meist als Espresso angepriesen. Meine Lieblingsmarke heißt "Cafe Modelo" und ich bezahle gerade mal $0,89 pro 250g Packung.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, dass Amerikaner Innereien überhaupt nicht schätzen, so ist frische Kalbsleber oder Herz spottbillig zu haben. Wenn es welche gibt! Auch finden sich in amerikanischen Kochbüchern so gut wie keine Rezepte dazu. Wir haben u.a. das Kochbuch "The Professional Chef, The Culinary Institute Of America", ein Wälzer mit 1036 Seiten, Begleitbuch für die Ausbildung von Profiköchen, aber darin steht kein einziges Rezept für Kalbs-, Rinder-, oder Lammleber/Nieren/Herz. Dafür gibt es immerhin ein Rezept zu "Gaisburger Marsch".

Bekannte von uns, die gerne in Restaurants essen gehen, gönnten sich vor einiger Zeit einen Besuch bei "Emeril's" einer der Nobelschuppen, bei dem man monatelang vorher reservieren muss. Ein Menü mit Wein kostet dort so um die $150 pro Person. Ich fragte dann, was sie gegessen hätten: Steak mit Cajun Sauce auf Kartoffelbrei! Oh, oh!

Wir waren einmal bei anderen Bekannten zum Abendessen eingeladen; der Esstisch war festlich gedeckt, eine Ausnahme, denn normalerweise wird von Papp- oder Plastiktellern gegessen (ist zeitsparend, weil nach einmaligem Gebrauch wegwerfbar!). Es gab irgendwelche Vorspeisen, an die ich mich nicht mehr erinnere. Als das Hauptgericht dran war, verschwand der Hausherr nach draußen und kam kurze Zeit später mit seiner Beute zurück: Schweinefilet vom Gasgrill, so verbrannt und trocken, dass es fast ungenießbar war, eben Lagerfeuer! Dazu sei angemerkt, dass Grillen Männersache ist. Die Mehrheit der Männer kann allerdings nicht kochen, damit prahlen sie sogar!

Unser allerliebster W. hat sich vor kurzem ganz stolz in den TV-Nachrichten gebrüstet, er hätte den französischen Staatspräsidenten Jaques Cirac am Abend vorher in Camp David mit einem Cheeseburger bewirtet und der hätte ihm gut geschmeckt. Chirac, der daneben stand, machte gute Miene dazu und widersprach nicht.

Warum mache ich mir Gedanken darüber, was und wie die Amerikaner essen? Ich meine natürlich nicht alle, sondern die Mehrheit, mit der ich konfrontiert bin. Mir zeigt es, auf welchem kulturellen Stand die Leute hier sind: Sie sind immer noch nicht wirklich sesshaft geworden, sind ständig auf Achse, wechseln häufig ihre Jobs und Häuser und ruhen überhaupt nicht in sich.

Es sind für mich halt Nomaden, die von der Hand in den Mund leben.